Mann steht in einem Raum

Weihnachten beginnt mit Mitgefühl

Jürgen Ferrary
19. Dezember 2025

Ich glaube, eines von den Dingen, die wir heute wirklich dringend brauchen, ist Empathie, die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Ihre Gefühle nicht nur wahrzunehmen, sondern ernst zu nehmen. Empathie ist keine nette Zusatzoption – sie ist Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.
Und ganz ehrlich: Wir alle könnten davon eine ordentliche Portion gebrauchen.

Viel zu oft – bei Christen wie bei Nichtchristen – denken wir zuerst an uns selbst. Und wenn wir damit fertig sind … dann vielleicht an die anderen. Kaum jemand gibt das gern zu, denn Nächstenliebe ist schließlich das Erkennungszeichen unseres Glaubens. Und doch merke ich – bei mir selbst angefangen – wie schnell wir uns selbst am nächsten sind.

Egoismus wirkt wie ein schleichendes Gift. Er trennt Menschen, im Kleinen wie im Großen. Er lässt uns abstumpfen für das, was andere bewegt. Und wenn jeder zuerst an sich denkt, bleiben am Ende erstaunlich viele auf der Strecke.

Empathie ist der Gamechanger. Sie hilft uns, über oberflächliche Begegnungen hinauszugehen und echte, tragfähige Beziehungen aufzubauen. Beziehungen, in denen Menschen sich gesehen, verstanden und ernst genommen fühlen.

Und genau hier wird Weihnachten plötzlich sehr konkret.

Denn Jesus kam aus genau diesem Grund auf die Erde. Weihnachten bedeutet: Gott entscheidet sich für Empathie. Er bleibt nicht auf Distanz. Er schaut nicht von oben zu. Er kommt uns nahe.

Jesus dachte nicht zuerst an sich selbst, sondern an andere. Er schaute nicht weg, wenn Menschen litten. Er hielt Leid aus, anstatt es zu vermeiden. Er stellte seine eigenen Bedürfnisse zurück, um für andere da zu sein.

Der Evangelist Johannes fasst das so zusammen: „Das Wort wurde Mensch und lebte mitten unter uns. Er war voll Gnade und Wahrheit und wir wurden Zeugen seiner Herrlichkeit, der Herrlichkeit, die der Vater ihm, seinem einzigen Sohn, gegeben hat. (Johannes 1,14). Gott wurde Mensch. Nicht aus Pflicht. Nicht aus Strategie. Sondern aus Mitgefühl.

Jesus lebte mitten unter uns. Er kennt Freude und Trauer. Begeisterung und Enttäuschung. Wut, Einsamkeit und Angst. Es gibt kein Gefühl in deinem Leben, das ihm fremd wäre. Deshalb fühlt er mit dir. Deshalb leidet er mit dir. Deshalb freut er sich mit dir.

Er denkt an dich, selbst dann, wenn du gerade nicht an ihn denkst. Er reicht dir die Hand, oft schon bevor du überhaupt merkst, dass du Hilfe brauchst. Das ist wahre Empathie. Und sie steht im krassen Gegensatz zu unserem Egoismus.

Jesus schaut dich an – nicht genervt, nicht enttäuscht, sondern voller Mitgefühl, Liebe, Gnade und Wahrheit. Und er lädt uns ein, ihm ähnlicher zu werden.

Herausforderung für heute: Vielleicht ist diese Adventszeit ein guter Moment, Gott um weiche Herzen zu bitten. Gott verspricht: „Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Ich nehme das steinerne Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz“ (Hesekiel 36,26).

Denn ein weiches Herz bedeutet auch, dass unser Ego kleiner wird – und unsere Empathie wächst.
Wo regiert in deinem Leben dein Ego? Und dann frage dich: Was würde Jesus tun? Wie würde er reagieren?

Die Frage ist nur: Sind wir bereit dafür? Denk heute bewusst darüber nach: Bitte Gott, dein Herz in genau diesem Bereich zu verändern. Es könnte sein, dass er dein Gebet ernst nimmt.

Sei gesegnet!

„Empathie ist die Fähigkeit, die Welt mit den Augen eines anderen zu sehen – und sie trotzdem nicht aus den Augen zu verlieren“ (Heinz von Foerster).

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